Wir knien im Staub, wir beten an

Schon seit vielen Jahren begleiten mich Gedichte und Geschichten in der Advents- und Weihnachtszeit. Dabei sind mir die Gedichte von Rudolf Alexander Schröder besonders wertvoll geworden.

Seine Gabe, mit einfachen Worten den Gedanken einen weiten Raum zu eröffnen finde ich bewundernswert. Dabei gelingt es ihm immer wieder, den eigenen persönlichen Glauben herauszufordern. So auch in diesem Gedicht:

Der Du die Welt geschaffen hast,
kommst Jahr um Jahr, wirst unser Gast.

Und Jahr um Jahr heißt’s überall:
für uns das Haus, für ihn den Stall.

Und Jahr um Jahre führt der Pfad
von Bethlehem zur Schädelstatt.

Der Jahr um Jahr ihn kundgetan,
begreift der Engel Gottes Plan?

Begreift der Wirt, ihm kommt zugut
des fremden Gasts vergossen Blut?

Begreife, wer begreifen kann.
Wir knien im Staub, wir beten an.

Weihnachten ist untrennbar mit Karfreitag verknüpft. Ohne Weihnachten kann es kein Ostern geben. Und Ostern kann ohne Weihnachten nicht stattfinden.
Ich spüre, dass die Fragen, die an Engel und Wirt gestellt werden, eigentlich mir gelten, mich zum Nachsinnen und Nachspüren herausfordern.
Und nach allen noch so tiefgründigen Gedankengängen steht als letzte Konsequenz die zeitlos aktuelle Erkenntnis:

Wir knien im Staub, wir beten an.

Das Wunder von Kapitulation und Berufung in einem.

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