Gott kommt zu mir

Was wäre, wenn Gott zu mir käme? Gerade dann, wenn ich zutiefst frustriert bin. Wenn er zu mir spräche. Was würde das mit mir machen? Was würde es bei mir auslösen?

Ich sitze gerade an der Vorbereitung meiner Predigt über 1. Mose 18, 1-15: Gott besucht Abraham und Sarah, seine Frau. Meine Aufmerksamkeit bleibt bei Sarah hängen. Mir wird klar, wie desillusioniert und frustriert diese alte Frau sein muss. Auf den Auftrag und das Versprechen Gottes hin hatte sie zusammen mit Abraham ihre Heimat verlassen, alle Sicherheit hinter sich gelassen. Gott hatte ihnen ein neues Land und zahlreiche Nachkommen versprochen. 25 Jahre später ist nichts davon in Erfüllung gegangen. Sie sind hochbetagte, umherziehende und kinderlose Nomaden.

Und dann kommt Gott zu Besuch, kündigt den beiden die Geburt ihres Sohnes an. Da kann Sarah nur noch lachen – mit einem bitteren Unterton. Gott antwortet ihr mit einer Frage: „Sollte für den Herrn irgendetwas unmöglich sein?” (Gen 18,14) und verspricht ihr, in einem Jahr wiederzukommen.
Sarah kann sich nicht freuen über diesen Besuch Gottes. Sie ist gefangen in ihrem Frust.

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Doch mich berührt etwas ganz tief in dieser Geschichte. Ich verstehe: So ist Gott! Er kommt zu mir und dir – mitten in unseren Corona-Lockdown, in unsere Angst oder Trauer hinein. Sein Plan mit uns ist nicht gescheitert – auch wenn menschlich gesehen nichts zu hoffen ist. Und er kommt wieder … und wieder … und bleibt bei uns. Der Herr, dem nichts zu schwer ist, hat etwas vor mit uns im neuen Jahr 2021! Das fühlt sich für mich gut an – wie ein neuer Tag, der anbricht, voller Hoffnung. Das ist Weihnachten.
Ich freue mich! Du auch?

2 Antworten auf „Gott kommt zu mir“

  1. Für mich ist Gott momentan ein ziemlich stiller und zurückgezogener Typ. Ein Vater der seinen Kindern unterhalt zahlt, aber nicht mit ihnen redet.
    Ich glaube fest an den erlösungswilligen Gott der seinen Sohn für uns hergegeben hat, trotzdem würde ich mich darüber freuen wenn er mir nicht erst im Jenseits auf meine Gebete antwortet. Somit ist das Ende vom Jahr 2020 kein Anbruch der Hoffnung, eher das Zurückbleiben in Ratlosigkeit.

  2. Lieber Rolf, liebe Geschwister,

    Danke für diese Zeilen,
    Ich musste direkt an das Lied denken..Gott kommt kleiner als wir denken, Gott kommt völlig unscheinbar, Gott kommt um uns zu beschenken, Gott kommt und er bleibt uns nah!
    Seid gesegnet,
    C. Unbehend

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